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GWG Wohnungsgesellschaft mbH Perleberg/Karstädt: Vor 35 Jahren wurde aus der volkseigenen Gebäudewirtschaft eine GmbH

Perleberg, den 28.​12.​2025
Foto: GWG | Das Haus Großer Markt 11 wurde vor einigen Jahren von der GWG saniert.
Lupe

Das Jahr 1990 war das Jahr der Veränderungen. Ein Jahr nach dem Mauerfall gab es eine rasante Entwicklung auf dem Territorium der ehemaligen DDR, so auch in Perleberg. Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 galt es, auch die Betriebe der neuen Gesellschaftsordnung anzupassen: Die Zeit der Volkseigenen Betriebe (VEB) ging zu Ende, so auch für den VEB Gebäudewirtschaft Perleberg.


Am 27. Dezember 1990 wurde aus dieser per Vertragsunterzeichnung die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Perleberg/Karstädt mbH. Heute heißt das Unternehmen GWG Wohnungsgesellschaft Perleberg/Karstädt mbH. „Diese Namensänderung machte sich erforderlich, da uns die Gemeinnützigkeit nicht anerkannt wurde“, so GWG-Geschäftsführer Ronald Otto.


Unterschrieben haben die Gründungsurkunde die beiden Gesellschafter-Vertreter, die Bürgermeisterin von Perleberg Dr. Friederike Fischer und der Bürgermeister von Karstädt Jürgen Ditten sowie dem kommissarischen Leiter des VEB Gebäudewirtschaft Klaus Neumann. Neumann war bis 2017 dann Geschäftsführer der GWG. 2017 hat Ronald Otto, der seit 1991 im Unternehmen tätig ist, diese Funktion übernommen.


Vieles hat sich in den zurückliegenden Jahren verändert und so hat sich die GWG zu einem modernen Wohnungsunternehmen entwickelt. Zwei Mitarbeiter können über diese 35 Jahre aus eigenem Erleben berichten, denn sie arbeiten hier von Beginn an. „Das sind aus dem Handwerker-Bereich Ulrich Blüthmann sowie die Prokuristin Cornelia Winter“, sagt der Geschäftsführer.


Mit der Gründung 1990 wurden die Grundstücke der Stadt Perleberg und der Gemeinde Karstädt in die neue GmbH eingebracht.


Zu der Entwicklung gehört auch, dass sich der Wohnungs- und Gewerbebestand von circa 2.500 Einheiten auf heute circa. 1.500 reduziert hat. „Das hatte mehrere Ursachen“, erklärt Geschäftsführer Ronald Otto. „Hauptgrund gleich nach der Wiedervereinigung war die massive Rückübertragung von Gebäuden an die Alteigentümer. Veräußert wurden damals auch kleinere Einheiten wie Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften.“ Es habe aber auch politische Gründe gegeben, dass das Wohnungsunternehmen Wohnungen verkaufte. Den neuen Wohnungsunternehmen wurden Kredite aus DDR-Zeiten als Altschulden angerechnet, die sie bedienen mussten. „Durch den Verkauf von Wohnungen, sowie Umwandlung in Eigentumswohnungen, wurde uns ein Teil der Altschulden erlassen“, beschreibt Ronald Otto das
Prozedere. Ein Teil der Wohnungen wurde in den vergangenen Jahren zurückgebaut, beispielsweise in Perleberg Ost.


Auch der Bestand in Karstädt blieb vom Rückbau nicht verschont. Seit 2015 wurden hier 130 Wohneinheiten vom Markt genommen.


Wenn der GWG-Geschäftsführer zurückblickt, dann berichtet er, dass in den Anfangsjahren des jungen Wohnungsunternehmen der konventionelle Wohnungsbau im Vordergrund stand. Darüber hinaus galt es mit der Bestandssicherung die Mängel aus DDR-Zeiten zu beseitigen. So wurden Dächer, Fassaden und Fenster erneuert.


In Karstädt wurden in den 1990er Jahren im konventionellen Wohnungsbau viele Ofenheizungen gegen moderne Heizanlagen ersetzt. Viele Wohngebäude aus den 1960er Jahren, damals noch mit Beistellherden und Kohlebadeöfen ausgestattet, weisen heute einen modernen Standard aus.


Doch die GWG besitzt in Perleberg nicht nur Häuser im Stadtteil Perleberg Ost, sondern auch in der historischen Innenstadt. Seit den 1990er Jahren wurden die Gebäude nach und nach saniert. „Darunter waren auch große Brocken, an die sich andere nicht gewagt haben“, so Ronald Otto. „Mit der Akquise von Fördermitteln, ist es uns gelungen, die Innenstadt zu beleben. Wir haben hier nicht nur Wohnungen, sondern auch Gewerbeflächen geschaffen.“ Der GWG-Geschäftsführer weiß, dass diese Gewerbeflächen bis in die Gegenwart genutzt werden, oft noch von den ersten Mietern. Ein Beispiel ist der Juwelier Preuß. Nach dem Umbau des Hotels „Am Rathaus“ am Großen Markt 2 zu einem Wohn- und Geschäftshaus ist Michael Preuß mit seinem Juwelier-Geschäft dort eingezogen. Und er ist bis heute dort zu finden.


Weitere positive Beispiele seien die Zahnarztpraxis in der Wittenberger Straße, die historische Fleischerei in der Poststraße, in der heute das Raffinarium zu finden ist, sowie das Hotel Stadt Magdeburg. „Dieses konnten wir vor der Insolvenz bewahren und es wieder verpachten“, so Ronald Otto. Auf dem Gelände befand sich früher noch eine Kfz-Werkstatt. Diese wurde ebenfalls umgebaut, bietet heute dem Schützenverein der Rolandstadt eine Heimstätte. Letztlich sei es auch der GWG zu verdanken, dass Perleberg heute noch ein Kino hat. Denn dieses schuf einst auch das Wohnungsunternehmen. Aus einer stillgelegten Turnhalle wurde das Kino mit zwei Sälen in der Uferstraße.


Seit 1995 betreibt die GWG im Auftrag der Stadt Perleberg das Schwimmbad, den Tierpark und den Jahnsportpark. Im vergangenen Jahr konnten die runden Jubiläen gefeiert werden. Das Schwimmbad wurde 60 Jahre, löste 1964 die Perleberger Flussbadeanstalten ab. Auch der Tierpark besteht inzwischen seit 60 Jahren. Das wurde mit einem großen Tierparkfest gefeiert.


Anpacken, die Stadt Perleberg zu entwickeln, das hat sich das Wohnungsunternehmen in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Fahnen geschrieben. Es gehe nicht nur darum, Wohnungen und Gewerberäume zu vermieten, sondern diese zu modernisieren bzw. neu zu schaffen. So trägt die GWG weiter zur Innenstadtsanierung bei. Im Jahr 2022 wurde das Haus Großer Markt 11 übergeben. „Hier haben wir aus drei Gebäuden eins gemacht“, sagt Ronald Otto. Aktuell werde mit Bau und Sanierung der beiden Häuser Heilig-Geist-Straße 3 und 4 das dortige Areal abgeschlossen. Die GWG habe in den vergangenen Jahrzehnten dieses Quartier entwickelt, sodass es heute zu den schönsten Altstadtvierteln gehört. Ebenfalls im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde die Sanierung Puschkinstraße 12. Im Nachbarhaus, in der Mühlenstraße 19, werde noch gebaut, so der GWG-Geschäftsführer.


In den vergangenen Jahren hat die GWG in Absprache mit der Stadt das Thema Kaiserliche Kasernen aufgegriffen. Auch dieser Bereich soll wieder entwickelt werden. „Wenn alles gut geht, können wir im Frühjahr 2026 mit den Baumaßnahmen beginnen, das ehemalige Stabsgebäude zu einem Gesundheitscampus entwickeln und umgestalten. Gegenwärtig sind wir mit bauvorbereitenden Maßnahmen beschäftigt, haben bereits die Ausschreibungen veröffentlicht.“


Zum Geburtstag am 27. Dezember blickt Ronald Otto optimistisch in die Zukunft. „Wir sind gut aufgestellt, sind inzwischen ein modernes Wohnungsunternehmen und ein verlässlicher Partner für die Gesellschafterkommunen Perleberg und Karstadt.“

 

Bild zur Meldung: Foto: GWG | Das Haus Großer Markt 11 wurde vor einigen Jahren von der GWG saniert.

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