Am späten Sonntagnachmittag ist ein ungewöhnliches Bild auf dem Großen Markt zu sehen. Immer mehr Menschen kommen zum Haus Nummer 11, versammeln sich dort. Das Blechbläserensemble des Gottfried-Arnold-Gymnasiums baut seine Notenständer auf. Als die Glocken vom Rathausturm verkünden, dass es 17 Uhr ist, haben sich hier um die 50 Menschen eingefunden. Sie sind gekommen, um an die Ereignisse der Reichspogromnach vor 87 Jahren zu erinnern. Mit Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy stimmen die Bläser auf das Gedenken ein. Bürgermeister Axel Schmidt zeigt sich positiv überrascht, dass so viele Perleberger und Gäste der Einladung zu dieser Veranstaltung gefolgt sind. Es sei wichtig, „dass wir heute an die schrecklichen Ereignisse erinnern, dass wir unsere freiheitliche Demokratie verteidigen, dass so etwas nie wieder passiert“. Er fordert die Anwesenden auf, das Gedenken weiterzutragen. „Denn es ist wichtig, aus der Geschichte zu lernen.“ Antonia Cordunanun, Anton Bargenda, Amy Zado und Elias Klann, Schüler der 10. Klasse des Gottfried-Arnold-Gymnasiums gestalten die Gedenkveranstaltung an allen vier Stolpersteinen. Stolpersteine, die an die einstigen Perleberger Mitbürger Malwine Sternberg (Großer Markt 11), Margarete Franke (Parchimer Straße 17), Markus Lang (Am Hohen Ende 4) und Adolf Lewandowski (An der Mauer 7) erinnern. Sie erinnern an die Ereignisse vor 87 Jahren in Perleberg, tragen Gedichte vor und informieren über das Projekt Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, der damit ein besonderes KunstDenkmal der Erinnerung geschaffen hat. Allein in Deutschland sind inzwischen über 100.000 Stolpersteine zu finden. Die Perleberger Stadtverordneten legten 2009 die Grundlage dafür, dass in Perleberg diese vier Stolpersteine verlegt wurden, „Und es sind weitere geplant“, weiß Elias Klann zu berichten. In Perleberg wird seit dem Verlegen der Stolpersteine an die Opfer der Reichspogromnacht erinnert und ihrer gedacht. Nach der Musik und den Vorträgen der Schüler wird der jeweilige Stolperstein geputzt und eine weiße Rose zum Gedenken niedergelegt. Schweigend verharren die Teilnehmer vor den einstigen Wohnorten der einstigen Mitbürger. In diesem Jahr wird am Haus Am Hohen Ende 4 noch an James Broh erinnert, der ebenfalls in diesem Haus lebte und am 9. November 1867 in der Rolandstadt geboren wurde. Karl-Heinz Kaiser hatte sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Rabbinersohn und Justizrat befasst, dessen Biografie er jetzt gemeinsam mit Norbert Kozick herausgegeben hat. Mit dem hebräischen Volkslied „Hava Nagila“ geht die Gedenkveranstaltung zu Ende.