Auch wenn Christian Otto Friedrich Heinrich Müller am 19. März 1813 im benachbarten Bad Wilsnack geboren wurde, so sorgte er später in Perleberg dafür, dass die Rolandstadt mit seinen herausragenden Fähigkeiten ihre musikalische Hochzeit erlebte. Müllers Vater war Maurer, die Mutter stammte aus einer Tuchmacherfamilie. In der Schule wurde die musikalische Begabung des Jungen frühzeitig erkannt. Ein Lehrer riet, dass er Lehrer werden sollte. Und so förderten seine Eltern die musikalische Ausbildung. Sie kauften ein Klavier und ließen ihn außerdem Geige, Flöte, Kontrabass, Fagott, Klarinette, Trompete, Horn, Posaune und Orgel Spielen lernen. So war er bereits in Wilsnack gut ausgerüstet worden, um ab 1831 das Lehrerseminar in Potsdam zu besuchen. 1834 fand Christian Müller eine Anstellung als Lehrer für Rechnen und Physik an der Höheren Töchterschule in Perleberg. Vier Jahre später heiratete er Ida Sauber, die Tochter des Lehrers und Küsters Sauber in Groß Lüben, mit der er vier Kinder hatte. Bereits 1837 begann sein musikalisches Engagement in Perleberg. So war er Dirigent des Gesangsvereins, erteilte Klavier- und Gesangsunterricht. Darüber hinaus schrieb er mit Hingabe neue Musikstücke. In den Gottesdiensten spielte er die Orgel, kümmerte sich um deren Reparatur und begleitete den Kirchenumbau. 1856 komponierte Christian Müller anlässlich des Gustav-Adolf-Festes eine Kantate, die die bekannte Sängerin Leontine Gericke in der Sankt-Jacobi-Kirche zu Gehör brachte. Danach erschien sein Werk im Berliner Musikverlag Challier. Im Gesangsverein studierte er Stücke von Joseph Haydn, Georg Friedrich Händel, Carl Heinrich Graun, Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy, Luigi Cherubini sowie Max Bruch ein. 1859, anlässlich des 100. Geburtstages von Friedrich von Schiller, probte Christian Müller an allen Schulen Schillerlieder ein. Am Abend des 10. November (100. Geburtstag Schillers) verantwortete er die Aufführung der Glocke vom Bernhard Romberg durch den Gesangsverein und die Casino-Gesellschaft mit großem Orchester. Zu diesem Anlass wurde Christian Müller vom preußischen Minister der Geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten zum Königlichen Musikdirector ernannt. Er gestaltete mit großem persönlichem Einsatz die musikalische Unterweisung und Unterhaltung des Perleberger Bürgertums. An seinem Lebensende, nach 50 Dienstjahren, beklagte Christian Müller allerdings verbittert die wiederkehrenden Demütigungen und die fehlende Wertschätzung durch den Perleberger Magistrat. Christian Otto Friedrich Heinrich Müller verstarb vor 120 Jahren am 28. September 1905 in Perleberg.