Am 1. August 1955 wurde bei der damaligen BSG Lokomotive Perleberg die Sektion Kanu gegründet, blickt nunmehr auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück. Nach der Wende wurde aus der Sektion eine Abteilung und aus der BSG Lokomotive der Eisenbahnersportverein (ESV) Perleberg. Die Stepenitz spielt in der Geschichte nicht nur eine Rolle als wichtige Wasserverkehrsstraße für den Transport von Waren. Auch der Wassersport war und ist hier zu Hause. Bereits in den 1920er Jahren gründeten sich die ersten Sportvereine mit Wassersportabteilungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die BSG Lokomotive die erste Betriebssportgemeinschaft, die eine Kanu-Sektion gründete. Es folgten die BSG Post (1951) und die BSG Medizin (1956). Der Kanusport hatte sich damals zum richtigen Volkssport entwickelt, in Perleberg vorrangig als Wandersport, so der heutige ESV-Vorsitzende Torsten Müller in der Sportchronik „Perleberg in Bewegung“, die 2014 zum 775-jährigen Stadtjubiläum erschienen ist. „Notwendig waren dafür Bootshäuser, Boote, Paddel und Zubehör wie Zelte und Transportwagen für die Boote. Auch Transportmöglichkeiten für Sportler und Material waren erforderlich.“ Die Gründung der Sektion Kanu der BSG Lok Perleberg erfolgte am 1. August 1955 in einer Wohnung eines Mitgliedes. „Gründungsmitglieder waren die Familien Jahnke und Iden sowie Fred Damrau und H. Engel“, erinnert sich Torsten Müller. „Die finanzielle Unterstützung der Kanuten erfolgte aus dem Kultur- und Sozialfonds des Bahnhofs Perleberg und von der Reichsbahn. Anfangs gehörten nur sechs Mitglieder zur Sektion, 1977 waren es 23 und 1982 28 Mitglieder. Die Unterbringung der Wanderboote erfolgte im Gründungsjahr zunächst in einer Garage, später unter einer Veranda. Ende der 1950er Jahre entstand das erste Bootshaus für acht Boote, später konnte ein Doppelbootshaus für 16 Boote auf dem vereinseigenen Grundstück an der Stepenitz gebaut werden. In der Sektion Kanu der BSG Lok, der heutigen Abteilung des ESV, wurde ausschließlich Kanu- Wandersport betrieben. „Höhepunkte waren neben dem An- und Abpaddeln eine Lampionfahrt zum Tag des Eisenbahners (Dieser Tag zur Ehrung der Eisenbahner in der DDR wurde jedes Jahr am zweiten Sonntag im Juni begangen.) auf der Stepenitz, eine Himmelfahrtstour sowie Urlaubsfahrten im Vereinsverbund mit guter Beteiligung.“ Als Übungsleiter (Stufe 1) legten Herbert Iden, Heinz Radtke und Friedrich Schwartz den Grundstein für eine kontinuierliche Entwicklung des Kanu-Wanderns. Sportverein und die Abteilung Kanu hatten nach der Wende einen großen Mitgliederschwund. Bis 1995 ging die Zahl der Kanuten auf vier zurück. Doch es gelang ein Neustart mit steigenden Mitgliederzahlen. 2014 waren es bereits wieder 43 Paddler, die den Kanuwandersport betrieben. Somit war der ESV der Treffpunkt für die Wanderkanuten der Region. Heute gehören 43 Mitglieder der Abteilung Kanu an. Bis heute gibt es die jährlichen Kanuwanderfahrten, wie das Pfingstpaddeln, die Stepenitz-Traditionstour oder sie Silvesterfahrt. Dabei verweist Torsten Müller auf den Wassermangel in der Stepenitz in den letzten Jahren, sodass der Fluss oberhalb von Wolfshagen kaum noch befahrbar ist. Hinzu kommen viele spontane Ausfahrten sowie das Grillfest im Sommer. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit sehen die Mitglieder in der Nachwuchsgewinnung. Denn die wenigen Kinder, die Vereinsmitglied sind, würden nicht ausreichen, um den Verein und die Abteilung Kanu am Leben zu halten, so Torsten Müller. Durch die frühere Zugehörigkeit zum Bezirk Schwerin bestehen schon seit Langem Kontakte zu dem Dömitzer Kanusportfreunden. So sind die ESV-Kanuten immer wieder Gast bei der Eldefahrt, die inzwischen auch eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Perleberg ist. 75 Jahre BSG Lokomotive Perleberg / Eisenbahnersportverein PerlebergEine Abordnung des Dömitzer Kanu-Vereins mit ihrem Vorsitzenden Alexander Bauke war in der vergangenen Woche zu Gast, als der Verein im Bootshaus Garsedow sein 75-jähriges Vereinsjubiläum feierte. Am 9. Mai 1950 wurde der Verein als Betriebssportgemeinschaft gegründet. Diesen Akt vollzogen damals die Sportfreunde Fritz Turban, Walter Iden, Karla Neukirch, Ernst Neukirch, Gertrud Leppin, Herman Ocs, Fritz Schweingruber, Karl Japke, Friedrich Pirch und Walter Tackmann. Zehn Sektionen hatte die BSG Lokomotive einst, so Turnen – Gymnastik, Radrennsport, Radwandern, Kanu, Schwimmen, Handball, Boxen, Tischtennis, Fußball und Radball. Heute gibt es nur noch die Abteilung Kanu und die allgemeine Sportgruppe mit insgesamt 53 Mitgliedern, die dem Verein angehören. Die anderen Abteilungen lösten sich auf oder schlossen sich anderen Vereinen an, wie beispielsweise die Hand- und Radballer, die geschlossen zu Blau-Weiß Perleberg wegen fehlender Eisenbahnerquote wechselten. Zu Zeiten der Gründung mussten noch 80 Prozent der Mitglieder Eisenbahner sein, nach der Wende waren es 50 Prozent. Diese Zahl sorgte für einen starken Mitgliederschwund. Dank einer Satzungsänderung des Verbandes Deutscher Eisenbahner-Sportvereine konnte der ESV auch ohne 50 Prozent Eisenbahner im Verband bleiben. Heute gehören noch drei aktive Eisenbahner dem Verein an. „Dennoch tragen wir stolz den Namen ESV Perleberg“, so der Vorsitzende Torsten Müller. Er konnte neben den Dömitzer Kanuten einen besonderen Ehrengast zum Vereinsjubiläum begrüßen: Jens Lehmann, Vorsitzender des VDES und Vizepräsident des USIC (International Railway Sports Association), der dem Verein an diesem Abend in seiner Funktion als Vorsitzender des Regionalvorstandes Ost die Glückwünsche zum 75-jährigen Vereinsjubiläum überbrachte.