Die Geschichte des Hauses Mühlenstraße 19 reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. „Die verwendeten Bauhölzer wurden 1694 bis 1696 gefällt“, weiß Ronald Otto, Geschäftsführer der GWG Wohnungsgesellschaft mbH Perleberg/Karstädt, durch eine dendrochronologische Untersuchung. Ursprünglich hatte die Wohnungsgesellschaft vor, dieses Gebäude zu veräußern. Aber auf Grund des hohen Sanierungsaufwandes fand sich kein Käufer und das Unternehmen ging auf die Suche nach geeigneten Fördermitteln, um das Gebäude vor dem Verfall zu bewahren. Das Wohnungsunternehmen hat nach umfangreichen Vorarbeiten vor einem Dreivierteljahr mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Zuvor hatte die GWG schon das Nachbarhaus, die Puschkinstraße 12, wiederhergestellt. Ronald Otto blickt noch einmal zurück in die Geschichte: „Der hier entlang verlaufende Kanal sorgte für die Ansiedlung des Handwerks. So gab es in der Puschkinstraße 12 eine Gerberei und in der Mühlenstraße 19 eine Färberei.“ In der Zukunft wird es in der Mühlenstraße 19 wieder ein Gewerbe mit 68,2 Quadratmeter geben, denn ein kleiner Laden entsteht im Vorderhaus. „Wir möchten dem Handel die Möglichkeit geben, günstige Räumlichkeiten zu bekommen und somit die Innenstadt durch Kleingewerbe weiter zu beleben“, so das Ziel des Wohnungsunternehmen. „Gleichzeitig entstehen hier vier kleine Wohnungen. Drei von ihnen erhalten einen Balkon oder eine Terrasse mit Blick auf die Stepenitz. Der neu hergerichtete Innenhof bietet nicht nur Parkflächen für die Mieter, sondern auch eine grüne Erholungsfläche für beide Wohnhäuser.“ Im unteren Bereich des Hinterhauses werden Abstellräume eingerichtet, einer für die Mieter der Mühlenstraße 19 und einer für die Mieter der Puschkinstraße 12. Diese können hier dann Fahrräder, Kinderwagen und ähnliches abstellen. Die Wohnungen stehen ab Frühjahr 2026 zur Verfügung, dann ist die Sanierung abgeschlossen. Für zwei Wohnungen ist ein Wohnberechtigungsschein erforderlich. Zurzeit sind die Zimmerer und Maurer dabei, defekte Fachwerkhölzer auszutauschen, die freigelegten Gefache wieder auszumauern und alles nach historischem Vorbild. Ronald Otto berichtet über besondere Schwierigkeiten bei diesem Bau: „Das Vorderhaus war zu einer Seite um circa 40 Zentimeter abgesackt. Dieses galt es zu stabilisieren.“ Hinzu kommt, dass das Gebäude ein Einzeldenkmal ist. Dadurch galt es jede bauliche Veränderung mit dem Denkmalschutz abzusprechen. Gleiches galt für die eingesetzten Baustoffe. „Diese alten sanierten Fachwerkhäuser prägen die Historische Altstadt und sind deshalb von besonderer Bedeutung für Perleberg. Sie zeigen uns, wie in der Rolandstadt der Handel entstanden ist und diese sich zu einer Hansestadt entwickelte“, so der GWG-Geschäftsführer. Insgesamt sind für das Vorhaben circa 1,4 Millionen Euro eingeplant. „80 Prozent der Kosten bekommen wir über Fördermittel, der größte Anteil kommt in Form von Wohnungsbaudarlehen vom Land“, so Ronald Otto. Auch die Stadt unterstützt das Vorhaben mit Städtebaumittel in Höhe von 250.000 Euro. Dabei hebt er hervor, dass der Gewerbebereich ohne Fördermittel gebaut werde, „gefördert wird nur die Errichtung oder Sanierung von Wohnraum“. Auch wenn mit der Sanierung das Ensemble im kommenden Jahr fertig ist, so fehlt noch etwas zu alten historischen Glanz: Die Sanierung der Stadtmauer. Doch wer soll hier die Kosten tragen? Denn Perleberg habe das Novum im Land Brandenburg, dass sich die Stadtmauer auf Privatgelände befindet. Der Landkreis sei gerade dabei ein bauhistorisches Gutachten auszuschreiben, so Ronald Otto. Erst dann stünde fest, wie die Stadtmauer zu sanieren ist. Die GWG würde gern den Bogen zur Stepenitz wieder öffnen, um den alten Wasserweg symbolisch wieder sichtbar zu machen.