Am Sonntag konnte Ursula Wollgast ihren 95. Geburtstag feiern. Zu den Gratulanten gehört auch Bürgermeister Axel Schmidt, der ihr zu diesem Jubiläum die Glückwünsche der Rolandstadt Perleberg und seine eigenen überbringt. Schon am Zaun zum Haus weist ein „Happy Birthday“-Banner auf den 95. Geburtstag hin, ebenso ein Foto des Geburtstagskindes mit einer goldenen 95 versehen an der Haustür. Ursula Wollgast wurde genau vor 95 Jahren fast an der gleichen Stelle geboren, wo sie am Sonntag ihren Geburtstag feiert. „Ich bin im Nachbarhaus geboren“, erzählt sie. Die Nachbarn und ihre Eltern gehörten zu denjenigen Familien, die Ende der 1920er Jahre in der Siedlung am Perleberger Stadtausgang in Richtung Sükow die ersten Häuser bauten. Heute lebt sie in ihrer eigenen Wohnung. Mit im Haus leben der jüngste Sohn und die Schwiegertochter, schauen immer nach dem Rechten. Sie selbst freut sich, dass sie im Kreis ihrer Familie ihren 95. Geburtstag feiern kann. „Für mein Alter geht es mir ganz gut“, sagt sie. Dann erfährt der Bürgermeister, dass sie noch kleine Arbeiten im Haushalt, unter anderem bäckt sie, erledigt. „Ansonsten bin ich mit meinem Rätselbuch zusammen. Dabei rätsle ich schneller, als die das Buch drucken können.“ Diesen Satz höre sie immer wieder von ihrer Familie. Dabei muss sie lachen. „Und meinen Humor habe ich auch nicht verloren“, ergänzt sie noch. „Bei mir wird viel gelacht.“ Gelernt hat Ursula Wollgast den Beruf einer Frisörin. Doch lange ausgeübt habe sie ihren Beruf nicht. „Dann kamen die Kinder und ich musste zu Hause bleiben. Denn damals gab es noch keine Kindergärten. Die gab es erst, als der jüngste Sohn auf die Welt kam. So begann sie, in einem Kindergarten zu arbeiten. Elf Jahre lang war Ursula Wollgast hier Hilfserzieherin. „Trotzdem haben wir alles gemacht, was auch die ausgebildeten Erzieherinnen machten“, erinnert sie sich. Deshalb wollte sie in einem Fernstudium die Ausbildung nachholen. Doch die Krankheit ihrer Mutter zwang sie zum Abbruch. Anschließend ging Ursula Wollgast nicht wieder in den Kindergarten zurück, sondern beginnt eine Tätigkeit im Handel. Beim Konsum hat sie im Schuhladen gearbeitet, später dann Täschnerwaren und Spielwaren verkauft. Ihre letzte Station war das Textilgeschäft von Klaus Tonagel. „Hier habe ich zwölf Jahre gearbeitet, bis ich dann 1993/94 in Rente gegangen bin.“ Bei Tonagel sei sie der ruhige Pol gewesen, so Ursula Wollgast. „Übrigens hat mich hier niemand Ursula genannt. Alle sagten Wolli zu mir.“ Und wieder muss sie lachen. Ihren Mann Werner Wollgast hat die 95-Jährige am 8. Oktober 1949 geheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, hervor. Werner Wollgast war Tischler, hat in der Tischlerei-Werkstatt der LPG Sükow gearbeitet. Weihnachten 2006 ist er gestorben. Neben den Kindern gehören inzwischen fünf Enkel und fünf Urenkel dazu. Mit der Familie hat Ursula Wollgast ihren 95. Geburtstag gefeiert. Die ersten Gäste treffen ein, als Bürgermeister Axel Schmidt sich wieder verabschiedet.