„Das Leben war eigentlich ganz schön bunt!“ - Bürgermeister Axel Schmidt und Ortsvorsteher André Kenzler gratulieren Christa Herzog zum 90. Geburtstag

Perleberg, den 06.​03.​2026
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Christa Herzog hat ein ungewöhnliches Geburtsdatum, denn sie erblickte am 29. Februar 1936 in Halle an der Saale das Licht der Welt. Ein Tag, den es nur alle vier Jahre gibt. „Eigentlich ist sie ja erst 22 Jahre“, lässt die Tochter verlauten, als Bürgermeister Axel Schmidt und Düpows Ortsvorsteher André Kenzler am Mittwochnachmittag gekommen sind, um Christa Herzog nachträglich zum 90. Geburtstag zu gratulieren.

 

Am Wochenende wurde groß in der Familie gefeiert, waren drei ihrer Geschwister mit ihren Partnern, die Kinder, Enkel und Urenkel in der Prignitz.

 

In Ihrer Heimatstadt Halle an der Saale ist Christa Herzog aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat an der dortigen Martin-Luther-Universität Landwirtschaft studiert. Nach dem Studium ist sie 1960 in den Bezirk Schwerin gezogen. „Wir wurden ja damals gelenkt“, erzählt sie. Und so wurde sie an die MTS (Maschinen-Traktoren-Station) Karstädt geschickt, begann dort zu arbeiten. Von dort ging es in die LPG „5. Parteitag“ Karstädt. Hier hatte die sozialistische Gestaltung der Landwirtschaft begonnen, erinnert sie sich. „Aus 119 Hektar Fläche, über die die LPG noch am 10. Februar verfügte, wurden im Mai 550 Hektar. Da gab es eine Menge Arbeit.“ 

 

Wenn Christa Herzog auf ihr Leben in der Landwirtschaft zurückblickt, dann fallen ihr immer wieder Anekdoten ein. Als diese sozialistische Gestaltung beispielsweise begonnen hat, neben den 23 Schweineställen es auch noch Kühe auf den Weiden gab, seien diese so manches Mal ausgebrochen, auf die B 5 gelaufen. „Dann mussten wir sie wieder so schnell wie möglich einfangen, wieder auf die Weide bringen.“ Auch erinnert sich die Jubilarin an ihre Ankunft in Karstädt: „Ich war hier angekommen, saß auf meinem Gepäck und wartete, wo ich unterkommen würde. Der Oberagronom hatte für mich eine Möglichkeit in Semlin gefunden. So kam ich zu Bolle. Der hatte noch eine Abstellkammer. Darin stand eine Bettstelle, Kornsäcke, fünf paar Gummistiefel und alles, was man nicht brauchte. Und es gab keine Heizung, und das am 10. Februar.“ 

 

Bis 1962 hat sie in der LPG gearbeitet. In der MTS hatte sie ihren Mann Fritz kennengelernt. „1963 haben wir geheiratet, 1964 bekam ich meine erste Tochter.“ Ihre Wohnverhältnisse seien schlimm gewesen. Doch durch ihren Mann, der inzwischen beim Rat des Kreises arbeitete, bekam die junge Familie eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Perleberg Ost in der Heinrich-Heine-Straße. Nach der Geburt der zweiten Tochter konnte Christa Herzog nicht arbeiten gehen, denn sie hatte keinen Krippenplatz. Sie protestierte auf einer Versammlung, erklärte, dass tausende Frauen nicht arbeiten gehen könnten, weil sie ihre Kinder nicht unterbringen könnten. „Zehn Tage später hatte ich einen Krippenplatz und für die Älteste einen Kindergartenplatz.“ Christa Herzog konnte wieder arbeiten, begann auf dem Schlachthof in Perleberg. „Hier blieb ich 19 Jahre bis zur Wende“, erzählt sie ihren Gästen. „Ein halbes Jahr war ich dann bei der DAA auf einem Lehrgang. Die LPGs fielen alle auseinander, es gab nichts mehr in der Landwirtschaft.“ Und so kam sie in eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) für Landschaftspflege an der Elbe. Mit 60 ist sie dann 1996 in Rente gegangen.

 

Im gleichen Jahr hatte die Familie ihrer zweiten Tochter in Düpow ein Haus gekauft, wo sie und ihr Mann mit einzogen. Vor 13 Jahren starb ihr Mann. 

 

Doch langweilig wurde es Christa Herzog nie, denn gleich mit Eintritt der Rente ging sie zum Landseniorenverein. Gern erinnert sie sich an die zahlreichen Ausflüge. „Wir waren in vielen Betrieben, so beispielsweise in der Käserei in Bismark und in den Zuckerfabriken in Uelze und Güstrow“, sagt sie. „Alle haben sich gekannt. Es war einfach herrlich!“

 

„Das Leben war eigentlich ganz schön bunt“, sagt sie, als sich Bürgermeister und Ortsvorsteher verabschieden. Sie habe sich sehr gefreut, dass die beiden persönlich vorbeigekommen seien, um ihr zu gratulieren. Der Ortsvorsteher nimmt eine Idee mit. „Vielleicht gelingt es mir, wieder eine Kaffeerunde für die Älteren zu initiieren“, sagt er zum Abschied.

 

Bild zur Meldung: Foto: Rolandstadt Perleberg/Renè Hill | Bürgermeister Axel Schmidt (links) mit Enkeltochter Lena Herzog, Ortsvorsteher André Kenzler und der Jubilarin Christa Herzog (sitzend).