„90 Jahre sind keine 90 Stunden!“ - Bürgermeister Axel Schmidt gratuliert Wolfgang Garnatz zum 90. Geburtstag

Perleberg, den 02.​02.​2026
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„Ich bin in Perleberg geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und habe meinen Beruf hier erlernt!“ Der das sagt heißt Wolfgang Garnatz, blickt am Montag auf neun Lebensjahrzehnte zurück und lebt noch immer in Perleberg. Und so kann Bürgermeister Axel Schmidt dem Urperleberger zu seinem 90. Geburtstag gratulieren. Es ist selten, dass er bei der älteren Generation auf gebürtige Perleberger trifft. Viele sind einst durch Flucht und Vertreibung, der Liebe oder des Berufes wegen in die Rolandstadt gekommen. 

 

Bei Wolfgang Garnatz ist das anders. Seine Liebe zu Perleberg wird deutlich, wenn man sein Wohnzimmer betritt. Der Blick fällt auf eine goldene Roland-Statue, auf einen Bierkrug von der 750-Jahrfeier und selbst die Wohnzimmertür ziert der Perleberger Roland. „Wir haben den schönsten Roland“, meint Wolfgang Garnatz im Gespräch mit dem Bürgermeister. Eine Feststellung, die das Stadtoberhaupt nur bestätigen kann.

 

Und so steht Perleberg immer wieder im Mittelpunkt des Gespräches der beiden Männer. Wolfgang Garnatz berichtet dem Bürgermeister, dass an den Stadträndern Spargelfelder und große Obstplantagen zu finden waren. „Die Plantagen der GPG gehörten zu den größten in der DDR“, weiß der 90-jährige zu berichten. Und er ist sich sicher, dass Perleberg älter ist als 787 Jahre. Auch das kann der Bürgermeister bestätigen. Denn bei den Grabungen am Großen Markt 10 wurden die Überreste eines Hauses entdeckt, dass 1230 abgebrannt ist.“ Aber es zähle das Jahr der schriftlichen Ersterwähnung, so der Bürgermeister. 

 

Wolfgang Garnatz ist auf dem Dudel groß geworden. Für ihn ist dieser Kiez ein Beispiel, wie sich Perleberg in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Im Laufe seines Lebens ist er sehr oft umgezogen. Unter anderem hat er von 1958 bis 1964 im Haus Großer Markt 12, der heutigen Lotte-Lehmann-Akademie, gewohnt.

 

Bei der Feuerwehr auf dem Flugplatz hat er Betriebsschlosser gelernt. Und er wollte auch zur Feuerwehr, war schon eingestellt als ein Befehl kam, dass alle jungen Männer, die noch keine 21 Jahre alt waren zur KVP (Kasernierten Volkspolizei) gehen müssten. „Da gehe ich nicht hin“, hat er zu seinem Vater gesagt. Und so wurde er nach Radeberg versetzt, war mit beim Aufbau der Luftstreitkräfte beteiligt. Weitere Stationen sind Kamenz und Forst bevor er 1957 wieder zurück nach Perleberg kommt.

 

Im gleichen Jahr heiratet er Maria Napiralla. Bis 2001 sind sie verheiratet, als sie verstirbt.

 

Nach der Rückkehr nach Perleberg hat er noch zehn Jahre bei der Perleberger Berufsfeuerwehr gearbeitet. „Dann wurde sie verkleinert“, erzählt der Jubilar. Für ihn bedeutete dies der Wechsel in die Berufsfeuerwehr der Ölmühle. Später wechselt er zur Polizei in den Streifendienst und war einige Jahre, bis zu seiner Frühpensionierung ABV (Abschnittsbevollmächtigter).

 

„Ich habe schon einiges erlebt“, sagt Wolfgang Garnatz. „Ich habe das Ende des zweiten Weltkrieges erlebt, die Gründung der DDR, den Zerfall der DDR und die Entwicklung nach der Wende.“ Er erinnert sich an viele Ereignisse in seinem Leben. So erfährt der Bürgermeister auch, dass er am 2. Mai 1945 den Einmarsch der Sowjetarmee live miterlebt hat, von einem Sowjetarmisten in ein Kellerloch gedrängt wurde mit den mahnenden Worten: „Jetzt kommen die Panzer und die schießen.“ Stundenlang habe er dort mit einem Freund ausgeharrt. Lebenserinnerungen eines 90-jährigen, der diese so zusammenfasst: „90 Jahre sind keine 90 Stunden. Erinnerungen sind gut – aber manchmal auch nicht.“

 

Der Tod seiner Frau habe ihn sehr mitgenommen, berichtet Tochter Marion. Ihr Bruder habe ihn dann zum MC nach Wittenberge geholt, wo er sich beim Motorsport engagiert hat. Mit dem Ende des Motorsports fehlt Wolfgang Garnatz die Beschäftigung.

 

Auch wenn Krankheiten zunehmen, so beschäftigt er sich nach wie vor mit Perleberg und seiner Geschichte, verfolgt im Internet, was bei der Perleberger Feuerwehr los ist. Dazu hat er Handy und einen Computer. Selbst auf Facebook sei er unterwegs, so die Tochter. Die Feuerwehr leiste eine tolle Arbeit, sagt Wolfgang Garnatz.

 

Zu seiner Familie gehören heute fünf Kinder, acht Enkel und zehn Urenkel. Das elfte erblickt im April das Licht der Welt. Wenn im Familienkreis der 90. Geburtstag gefeiert wird, dann ist auch seine Schwester, eine von drei Geschwistern, noch mit dabei.

 

Bild zur Meldung: Foto: Rolandstadt Perleberg/Renè Hill | Wolfgang Granatz (sitzend) mit Urenkelin Smilla, Enkelin Victoria (links), Tochter Marion (2.v.l.) und Bürgermeister Axel Schmidt (rechts).