Kleines Dorf ganz groß – Dergenthin feierte drei Tage lang sein Dorfjubiläum

27.​05.​2025
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Das Wochenende ist vorbei, damit auch das dreitägige Dorffest in Dergenthin. Dorfbewohner und Gäste haben von Freitag bis Sonntag die Ersterwähnung des Ortes im Jahr 1300 als „Chim de Dergenthin“ gebührend gefeiert. 725 Jahre später hat das Dorf, das inzwischen ein Ortsteil der Rolandstadt Perleberg ist, sich herausgeputzt. Ein Festkomitee hat über ein Jahr lang die Feierlichkeiten vorbereitet, dass am Wochenende nur gelobt wurde.

 

 

Auftakt mit Gottesdienst und Konzert

Das Fest beginnt am Freitagnachmittag in der Dorfkirche. Bereits 30 Minuten vor Beginn gibt es hier kaum noch einen freien Sitzplatz. Der evangelische Posaunenchor Perleberg und Pfarrer Valentin Kwaschik gestalten den Gottesdienst. „Wir feiern Dorffest, Jubiläum, Geburtstag.“ Mit diesen Worten beginnt der Pfarrer seine Begrüßung. Er begrüßt in der Kirche unter anderem Menschen, die schon ihr ganzes Leben in diesem Dorf leben, sowie Menschen, die zum gemeinsamen Feiern länger als eine Stunde angereist sind. 

 

In seiner Predigt geht Valentin Kwaschik auf das Dorf und sein Jubiläum ein. „Viel Glück und viel Segen. Dieses Lied bin ich geneigt, dem Geburtstagskind zu singen“, sagt er zu Beginn. Mit seinen 725 Jahren ist Dergenthin ein hochbetagter Jubilar im Vergleich zu den Nachbardörfern, die überwiegend erst im 14. Jahrhundert ersterwähnt wurden. In den 725 Jahren haben das Dorf und seine Einwohner viel erlebt. Es habe auch Zeiten gegeben, wo die Einwohner fast ausgelöscht waren, weiß der Pfarrer zu berichten. „Doch heute steppt hier wieder das Leben“, fügt er hinzu und berichtet über eine engagierte Dorfgemeinschaft, die sich durch eine große Verbundenheit auszeichnet. 

 

Im Vorfeld des Gottesdienstes hatte der Pfarrer von den Dorfbewohnern wissen wollen, was sie an Dergenthin lieben. Zunächst habe es keine überschwängliche Begeisterung gegeben. „Aber das liegt vielleicht am Menschenschlag, der in der Prignitz lebt“, so der Pfarrer. Doch dann habe er immer wieder zu hören bekommen, dass es lebenswert sei in Dergenthin zu leben. Viele seien hier verwurzelt, erinnern sich an Urlaube bei den Großeltern. Die Nicht-Dergenthiner wissen von Freundlichkeit der Einheimischen zu berichten, die hier immer wieder zu spüren sei.

 

Nach dem Gottesdienst beginnt das Konzert. Zunächst erlebt ein besonderes Streichensemble seine Premiere: „Es sind alles Kinder mit einer Beziehung zu Dergenthin“, sagt Musikschullehrer Axel Gliesche. Die jungen Musiker spielen gemeinsam „Großer Gott wir loben dich!“. Anschließend gestalten der Singkreis Kurt Rabbach, Streicher der Musikschule und Teresa Gliesche-Sonntag das Festkonzert. 

 

Im Pfarrgarten beginnt am frühen Abend das Dorffest. Bei Gegrilltem und Getränken kommen die Dergenthiner und ihre Gäste ins Gespräch.

 

 

Von Festumzug bis Tanz in den Morgen

Der Hauptfesttag ist der Sonnabend. Bereits eine Stunde bevor der Festumzug beginnt, machen es sich die Dorfbewohner an der Landesstraße 12 gemütlich. Doch sie waren schon im Vorfeld aktiv, haben ihre Grundstücke bzw. die Flächen vor ihren Häusern geschmückt und gestaltet. Dabei reicht die Palette von Feuerwehrmännern, alter Landwirtschaftstechnik über lustige Figuren bis hin zu Erinnerungen an frühere Geschäftseinrichtungen wie Bäcker oder die Sero-Annahmestelle. Immer wieder zusehen: die 725. 

 

Mehr und mehr Gäste kommen ins Dorf, suchen sich einen Parkplatz und einen Stellplatz, um dem Festumzug zu verfolgen. Dieser beginnt pünktlich um 12 Uhr. Die verschiedenen Motiv-Wagen und fußläufige Teilnehmer geben Einblicke in die Geschichte und die Gegenwart Dergenthins. Da sind Schüler verschiedener Epochen zu sehen, ebenso die Flüchtlinge, die 1945 zu Fuß nach Dergenthin kamen. 

 

Doch auch das Hier und Jetzt ist präsent. Mit dem Sportverein, verschiedenen Betrieben, Unternehmen und Maschinen der Landwirtschaft. Dergenthin ist ein Straßendorf, was spätestens jedem beim Umzug bewusst wird. Die Zuschauer säumen die Landesstraße, winken den Vorbeifahrenden und -laufenden zu. Am Ende folgen sie dem Umzug zum Festgelände auf dem Sportplatz.

 

Hier erwartet die Besucher ein buntes Markttreiben, gibt es Eis, Fisch, Gegrilltes, Gebackenes und Getränke. Die Kuchen haben die Dergenthiner Frauen gebacken. Knapp 40 verschiedene Kuchen und Torten sind es geworden, freut sich das Festkomitee.

 

Ortsvorsteher Dirk Rumpel begrüßt gemeinsam mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Katrin Schmidt die Dergenthiner und ihre Gäste. Er freut sich, über die große Resonanz. Bereits am Freitag habe er erlebt, wie ehemalige Dergenthiner durchs Dorf spazierten und Erinnerungen austauschten. Er bedankt sich beim Festkomitee, der Rolandstadt Perleberg und 73 Sponsoren, die dieses Fest organisierten und möglich machten. „Dergenthin zeigt, was 241 Einwohner auf die Beine stellen können“, so der Ortsvorsteher.

 

Katrin Schmidt würdigt das bürgerliche Engagement, wünscht den Festbesuchern schöne Festtage und viel Spaß dabei. Dann begibt sie sich auf den Rundgang durchs Dorf, denn sie gehört zur dreiköpfigen Jury, die die Gestaltung der Grundstücke bewerten. Gewonnen hat letztlich das ganze Dorf, doch geehrt wurden Familie Eckhard Zander, Mathias Hoyer sowie Doris und Manfred Preuß.

 

Auf dem Festgelände beginnt das Kulturprogramm, auf dem Sportplatz wird Fußball gespielt, Außerdem kann die Festzeitschrift zum Jubiläum käuflich erworben werden. Die 150 gedruckten Exemplare sind schnell vergriffen, so dass es eine Nachbestellliste gibt, so Wilhelmine Runge, die Vorsitzende des Festkomitees.

Bis um 2 Uhr morgens wird in Dergenthin gefeiert. Die Band „Right Now“, die einen Tag zuvor noch im Friedrichstadtpalast gespielt hatte, heizte den Dergenthinern ordentlich ein.

 

Am Sonntag geht dann die Jubiläumsfeier mit einem gemütlichen Frühschoppen zu Ende. Die Löcknitzer Musikanten spielen auf, trotz des Regens nicht vor leerem Bierzelt. „Die Gäste sind nicht nur aus Dergenthin gekommen, sondern auch aus den Nachbardörfern“, so Wilhelmine Runge. Es ist eine herrliche Stimmung, so manche Polonaise gibt es am Sonntagvormittag.

 

Am Montag zeigt sich die Vorsitzende des Festkomitees zufrieden. „Wir haben die Messlatte sehr hochgelegt. Doch es hat sich gelohnt“, sagt sie. Und so möchte sie auch Lob und Dank an alle Mitstreiter und Helfer weitergeben. Ein großes Lob geht von ihr an die Ordnungskräfte und die Polizei. „Die Zusammenarbeit hat sehr gut geklappt.“

 

„Schade, dass es so ein Fest erst wieder 2050 gibt“, sagt Wilhelmine Runge rückblickend. Dann sei sie Rentnerin, aber vielleicht wieder mit dabei, wenn es darum geht, die 750-Jahr-Feier vorzubereiten.

 

Bild zur Meldung: Foto: Rolandstadt Perleberg/Renè Hill | Überall sichtbar, dass Dergenthin ein Dorfjubiläum feiert. Die 725 prägte das Ortsbild.