Mit Leib und Seele Sekretärin – Bürgermeister Axel Schmidt gratuliert Inge Schmidt zum 90. Geburtstag

Perleberg, den 04.​03.​2025
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Ihren 90. Geburtstag am 17. Februar hat Inge Schmidt in Bernau bei der Tochter gefeiert. Daher kann Bürgermeister Axel Schmidt erst am Montag ihr persönlich zu ihrem runden Geburtstag gratulieren. 

 

Inge Schmidt freut sich, dass er gekommen ist. Denn Bürgermeister und Geburtstagskind verbindet mehr als nur der gemeinsame Familienname: Die Jubilarin hat vom 16. April 1980 bis zum 30. Juni 1992 im Büro des Bürgermeisters als Sekretärin gearbeitet. Ebenfalls war sie Protokollantin für den Sitzungsdienst. Karl-Heinz Tesch und Dr. Friederike Fischer waren damals die Bürgermeister. Und so kann Inge Schmidt so manche Anekdote aus dem Rathaus erzählen. 

 

Doch bis Inge Schmidt im Perleberger Rathaus ihre Arbeit aufnahm, gab es so einige Stationen in ihrem Leben, die sie auch die Prignitz verlassen ließen. Bei Kaffee und Kuchen blickt sie in ihr Leben zurück, erzählt dem Bürgermeister, was sie so alles erlebt hat.

 

Am 17. Februar 1935 ist Inge Schmidt in Gülitz geboren. Hier ist sie aufgewachsen und hat bis zum Schulabschluss gelebt. Als sie acht Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter. Damit waren sie und ihre drei Brüder Waisenkinder, denn der Vater war 1943 im Krieg gefallen. So übernahm der Großvater die Vormundschaft.

 

„Eigentlich wollte ich Lehrerin werden“, erzählt sie dem Bürgermeister. „Doch ich war noch keine 18 Jahre alt, konnte somit noch nicht das Lehrerbildungsinstitut in Dallmin besuchen.“ Und so kam sie als Hausgehilfin in die Gaststätte nach Hohenvier. „Hier habe ich alles gemacht“, erinnert sie sich. Selbst die Schweine habe sie zum Eber zum Decken gebracht. 

 

Ihr Berufsschullehrer machte sie dann aufmerksam, dass in Perleberg eine Bürohilfe gesucht werde. Doch ihr fehlte eine Unterkunft. Ein Cousin ihrer Oma nahm sie auf. Und ihrer Tätigkeitsaufnahme stand nichts mehr im Weg. Parallel zu ihrer täglichen Arbeit besuchte sie die Volkshochschule, lernte in zwei Durchgängen Stenografie und Schreibmaschine. Sie absolvierte diese mit Erfolg, bekam dann die Stelle der Sekretärin beim VdGB-Vorstand (VdGB – Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe. 

 

Sie war jung und ungebunden, wurde daher wieder zu einer Qualifizierung geschickt. Als sie nach einem halben Jahr aus Weimar zurückkommt, ist ihr Chef weg. „Er wurde zur ABI (Arbeiter- und Bauerninspektion) nach Schwerin versetzt. Und meine Stelle war auch besetzt“, erzählt Inge Schmidt. So wurde sie Kaderinstrukteurin. Doch dieser Job gefällt ihr nicht. Sie will wieder als Sekretärin arbeiten. Inge Schmidt bekommt eine Stelle an der sich in Gründung befindlichen Unteroffiziersschule der Grenztruppen der DDR. Ihr Chef, ein Oberstleutnant, wird nach Magdeburg-Rothensee versetzt. Sie geht mit. Dort wird sie von einem Gefreiten angesprochen, der aus Schönebeck kam, sie zu einer Bootsfahrt einlud. Aus dieser Bootsfahrt wird mehr, Inge Schmidt wird schwanger und ihre Tochter wird geboren.

 

Nach der Rückkehr nach Perleberg nimmt sie ein Angebot beim Kreisbaubetrieb an, wo sie 20 Jahre – bis zum Wechsel ins Rathaus – arbeitete.

 

Über den Wechsel erzählt Inge Schmidt, wie sie um ihr Gehalt verhandelt hat. „560 Mark wollte mir die Stadt zahlen“, erinnert sie sich. Im Kreisbauamt hatte sie 700 Mark, lässt sie die Stadtoberen wissen. Und so bekommt sie dann ein „personengebundenes Gehalt“.

 

1963 heiratet sie dann ihren Gerhard. Zwei Jahre später wird ihr Sohn geboren. „Wir waren 61 Jahre verheiratet“, erzählt sie dem Bürgermeister. Er hat nach seiner Arbeit im Traktorenwerk Schönebeck bei der Bezirksdirektion der Volkspolizei angefangen, wechselte später ans VPKA (Volkspolizeikreisamt) nach Perleberg. „Er starb am 1. September 2024.“ Zur Familie gehören inzwischen drei Enkel und fünf Urenkel. 

 

Doch ganz aufhören mit Arbeiten kann Inge Schmidt noch nicht. Nach der offiziellen Verabschiedung durch die Stadtverordnetenversammlung folgt ihr die damalige AWO-Chefin. „Sie werden sich doch wohl jetzt nicht hinter dem Ofen verkriechen?“, fragte diese. Und so machte sie zehn Jahre lang noch einmal in der Woche den Schriftverkehr für die Arbeiterwohlfahrt. 

 

Heute lebt sie noch allein in ihrer Wohnung, wo sie unterstützt wird von Sohn, seiner Familie sowie dem Betreuungsdienst Mandy Linow. Am gesellschaftlichen Leben nimmt sie auch noch teil, lässt sie den Bürgermeister wissen. Erst jüngst war sie zur Geburtstags-Party bei der AWO.

 

Bild zur Meldung: Foto: Rolandstadt Perleberg/Renè Hill | Inge Schmidt freut sich über die Glückwünsche von Bürgermeister Axel Schmidt.